Übernehmt ihn selbst – oder er wird geschlossen

1983 stellte der Kreis den Vereinen eine Frage, auf die es nur zwei Antworten gab: Könnt ihr den Flugplatz selbst tragen – oder wird er zum 1. Januar 1984 ersatzlos geschlossen? Im Januar 1984 gründeten die beiden Luftsportvereine die Flugplatzgemeinschaft Grenzland und übernahmen den Platz in Eigenverantwortung. Dabei ist es bis heute geblieben.

„Einige Fakten zur Entstehung des Flugplatzes“ / Heimatbuch 1997

Zeitungsausschnitt: Übernehmt ihn selbst – oder er wird geschlossen
Aus dem Vereinsdokument „Einige Fakten zur Entstehung des Flugplatzes Grefrath-Niershorst“.

Diese Darstellung stützt sich auf das Vereinsdokument „Einige Fakten zur Entstehung des Flugplatzes Grefrath-Niershorst“ und auf den Aufsatz von Rudolf H. Müller im Heimatbuch des Kreises Viersen 1997.

Wie es dazu kam

Die Flugplatzgesellschaft Niershorst hatte den Platz seit 1960 getragen und ihn in dieser Zeit zu dem ausgebaut, was er heute ist: zwei getrennte Bahnen für Segel- und Motorflug, asphaltierte Rollwege, eine Drainage gegen die Feuchtigkeit der Nierswiesen, ein Hubschrauberlandeplatz, ein neuer Turm, zwei Hallen. Über eine Million Mark hat das gekostet.

Die Einnahmen eines Flugplatzes reichen aber nicht, um die laufenden Kosten zu decken – wie bei anderen Sportstätten auch. Seit 1969 zahlten die Gesellschafter deshalb einen jährlichen Betriebsmittelzuschuss. 1980 überstiegen die Aufwendungen die Erträge um 102.000 Mark; der Zuschuss betrug 68.000, davon trug der Kreis 96,5 Prozent.

Am 19. März 1981 setzte der Kreistag eine Kommission aus sechs Abgeordneten ein, die untersuchen sollte, wie der Zuschuss zu mindern oder überflüssig zu machen wäre. Die Kommission erörterte drei Wege: die Schließung des Flugplatzes, die Aufnahme von Luftsportvereinen aus dem Kreis Neuss – und den Vorschlag der Luftsportvereine selbst, ihnen die Platzhalterschaft zu übertragen, wobei alle Funktionen ehrenamtlich und unentgeltlich wahrgenommen werden sollten.

Die Kommission übernahm keinen dieser Vorschläge. Sie empfahl stattdessen höhere Einnahmen durch mehr Flugbewegungen und durch Streichung der Vergünstigungen für die Luftsportvereine. Der Kreistag nahm den Bericht am 8. Juli 1982 zur Kenntnis; in den Fraktionen fanden die Fakten Anerkennung, der Vorschlag nicht.

Die Entscheidung

Am 24. Februar 1983 machte der Kreisausschuss dem Kreistag einen Beschlussvorschlag, der keine dritte Möglichkeit offenließ: Ab 1984 keine Betriebsmittelzuschüsse mehr. Sofern die Luftsportvereine nachweisen könnten, dass sie nachhaltig in der Lage seien, die Kosten zu tragen, sollte ihnen die Halterschaft übertragen werden. Andernfalls sollte der Flugplatz zum 1. Januar 1984 ersatzlos geschlossen werden.

Die Gespräche, die daraufhin geführt wurden, endeten mit dem Ergebnis, den Vereinen die Halterschaft zu übertragen. Damit hatte die Flugplatzgesellschaft keine Existenzberechtigung mehr. In der Gesellschafterversammlung am 31. Mai 1983 beschlossen beide Gesellschafter – Kreis Viersen und Gemeinde Grefrath – die Auflösung zum 31. Dezember 1983. Zu Liquidatoren wurden die Geschäftsführer Heinz Busch und Dr. Horst Kaßler bestellt.

Im Januar 1984 gründeten die beiden Luftsportvereine die „Flugplatzgemeinschaft Grenzland e. V.“ und übernahmen den Flugplatz in Eigenverantwortung.


Was daraus geworden ist

Was 1983 wie ein Ultimatum aussah, war rückblickend der Anfang von etwas Besserem. Seit über vierzig Jahren gehört der Platz denen, die auf ihm fliegen.

Rudolf H. Müller, der als Oberkreisdirektor auf der anderen Seite des Tisches gesessen hatte, schrieb 1997 im Heimatbuch: Die Vereine hätten den laufenden Betrieb ebenso bewältigt wie die Instandhaltung, alle Funktionen würden ehrenamtlich und unentgeltlich wahrgenommen, und sie böten „ein lobenswertes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements“.

Die Flugplatzgemeinschaft Grenzland gibt es bis heute. Wer bei uns Platzdienst macht, die Bahn mäht, die Luftaufsicht übernimmt oder im Winter in der Werkstatt steht, tut das aus demselben Grund wie 1984: weil es sonst niemand tut.

Aus den Vereinen von damals ist der LSV Grenzland e. V. geworden, und auf dem Niershorst wird bis heute geflogen. Wer selbst einmal starten möchte, kann bei uns Fliegen lernen – meldet Euch einfach bei uns am Platz.

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