Es ist zum in die Luft gehen…

Vier Tage Leistungswettbewerb auf unserem Platz, rund 70 Piloten aus der ganzen Region – und dann fällt alles ins Wasser. 2006 richteten wir den „Goldenen Kappes“ aus, und das Wetter machte aus dem Wettfliegen ein Warten. Die Rheinische Post war am dritten Tag da und fotografierte lange Gesichter.

Rheinische Post

Zeitungsausschnitt: Es ist zum in die Luft gehen…
Rheinische Post vom 27. Mai 2006: „Lange Gesichter bei (v.l.) Holger Radelings, Robert Wesolek, Manfred Antwerpen, Tobias Friedrich, Marc Loersch und Christian Matoni.“ (Foto: Wolfgang Kaiser)

Der Leistungswettbewerb der Segelflieger um den „Goldenen Kappes“ konnte aus wettertechnischen Gründen bisher nicht beginnen. Eventuell geht’s heute in die Luft, wahrscheinlich aber erst morgen.

VON SARAH PLUSCHKE

GREFRATH Noch bevor es überhaupt richtig losgehen konnte, war es auch schon wieder vorbei: Schon vor dem offiziellen Briefing am Donnerstagmorgen war klar, dass das diesjährige Wettfliegen um den „Goldenen Kappes“ buchstäblich ins Wasser fallen würde. Die schlechten Wetterbedingungen machten es den rund 70 Piloten unmöglich, den Leistungswettbewerb für Segelflieger auf dem Flugplatz Grefrath-Niershorst zu starten.

„Das ist absolut enttäuschend“ erklärt Manfred Antwerpen, Wettbewerbsleiter und Geschäftsführer des Veranstalters, des LSV Grenzland. Vier Tage sollte der erstmals 1982 veranstaltete überregionale Leistungswettbewerb dauern, der jährlich rotiert und abwechselnd in Grefrath, Krefeld oder Venlo ausgetragen wird.

Bei den Vorhersagen am Donnerstag sah es allerdings so aus, als könnten die Gleiter auch mit viel Glück erst am Samstag in die Luft gehen. Sabine Holthausen, Vereinsmitglied des LSV, erläutert das Problem: „Wir brauchen schon ein paar blaue Lücken am Himmel, sonst funktioniert das Ganze nicht. Uns Segelfliegern muss die Termik schon ein bisschen helfen…“

Kann erst ab Sonntag geflogen werden, bleibt der Wanderpokal in Grefrath: „Damit eine korrekte Wertung zu Stande kommt, braucht man mindestens zwei Wertungstage“ erläutert Antwerpen: „Sonst wäre das Ganze ungerecht. Es wird also voraussichtlich nur zu einer inoffiziellen Wertung kommen.“ Zwölf Doppelsitzerflugzeuge und 21 Einsitzer werden dann vielleicht starten, zwischen 150 und 300 Kilometern müssen die Piloten zurücklegen und bestimmte Wendepunkte einhalten. Zu wünschen ist es den Organisatoren auf jeden Fall, dass es noch in die Luft gehat, denn seit Wochen sind sie im Vorbereitungsstress: So musste der Wettbewerb bei der Deutschen Luftsicherung genehmigt werden, schließlich sind im Zusammenhang mit dem Flughafen Düsseldorf gewisse Luftraum-Strukturen zu beachten.

Die moderne Technik an Bord der Maschinen lässt die Wettbewerbsrichter am Boden erkennen, wann und wo sie wie geflogen sind. „Wir können die Position der Flieger im dreidimensionalen Raum bis auf zehn Meter genau bestimmen“ so Antwerpen. Im Team der zwölf Juroren ist neben den Auswertern ein Meteorologe dabei, sie alle arbeiten ehrenamtlich. Die startenden Piloten sind zwischen 18 und 80 Jahren alt, Grefraths Altbürgermeister Willi Ehlers ist der Älteste von ihnen. „Leider sind nur fünf Frauen für das Wettfliegen gemeldet“ erzählt Sabine Holthausen, selbst begeisterte Pilotin und ausgebildete Fluglehrerin: „Toll finde ich aber, dass es in unserem Sport eine Gemeinschaft über mehrere Generationen hinweg gibt, da fliegen erfahrene Piloten mit ihren Flugschülern. Das ist schon etwas Besonderes.“

INFO – Des Fliegers Trotz

Nicht alle Flieger sind direkt wieder von Grefrath aus nach Hause gefahren, viele sitzen noch in der Küche bei Kaffee und Kuchen. Einige ganz Mutige campen in Zelten auf einer Wiese und sind gewillt, Wind und Regen Stand zu halten: „Das sind unsere Hardcorecamper“, schmunzelt Manfred Antwerpen: „Aber Segelflieger leben nun mal von und mit der Natur…“

Bildunterschrift im Original: Lange Gesichter bei (v.l.) Holger Radelings, Robert Wesolek, Manfred Antwerpen, Tobias Friedrich, Marc Loersch und Christian Matoni: War nichts mit Fliegen. Vielleicht klappt’s ja am Wochenende. (RP-FOTO: WOLFGANG KAISER)


Was daraus geworden ist

Der „Goldene Kappes“ läuft seit 1982 und wandert zwischen Grefrath, Krefeld und Venlo – der Wettbewerb ist also älter als die meisten unserer heutigen Flugzeuge. Dass ein ganzer Wettbewerb am Wetter scheitert, gehört beim Segelflug dazu: Wir starten ohne Motor und leben von dem, was der Himmel hergibt. Zwei Sätze aus dem Artikel beschreiben unseren Sport besser als jede Broschüre – Sabine Holthausens „Uns Segelfliegern muss die Termik schon ein bisschen helfen“ und Manfred Antwerpens „Aber Segelflieger leben nun mal von und mit der Natur“. Und die Spanne von 18 bis 80 Jahren am Start, mit Altbürgermeister Willi Ehlers als Ältestem, gibt es bei uns immer noch.

Aus den Vereinen von damals ist der LSV Grenzland e. V. geworden, und auf dem Niershorst wird bis heute geflogen. Wer selbst einmal starten möchte, kann bei uns Fliegen lernen – meldet Euch einfach bei uns am Platz.

Nach oben scrollen