Was Engagement so alles bewirkt

Zum Flugplatzfest 2004 gab es zwei Geburtstage auf einmal: Der Verkehrslandeplatz Niershorst wurde 45 Jahre alt, die Flugplatzgemeinschaft Grenzland 20. Die Rheinische Post widmete dem eine ganze Doppelseite – mit der Geschichte des Platzes, einem Interview mit Fluglehrer Bernd Lohberg und dem Programm des Festes. Hier steht sie vollständig.

Rheinische Post vom 25. Mai 2004, Lokalteil Grefrath / Kreis Viersen

Zeitungsausschnitt: Was Engagement so alles bewirkt
Die Doppelseite der Rheinischen Post vom 25. Mai 2004. Bildunterschrift im Original: „Wer Lust hat, kann zu Pfingsten beim Tag der offenen Tür auf dem Flugplatz Niershorst in die Luft gehen. Fluglehrer Bernd Lohberg präsentiert hier eine der schallgedämmten Maschinen.“ Fotos: Wolfgang Kaiser.

Doppeljubiläum: 45 Jahre Flugplatz Niershorst, 20 Jahre Flugplatzgemeinschaft

GREFRATH. Doppeljubiläum wird beim Grefrather Flugplatzfest am 30. und 31. Mai gefeiert: Der Verkehrslandeplatz Niershorst wird 45 Jahre alt, die Flugplatzgemeinschaft Grenzland wurde vor 20 Jahren aus der Taufe gehoben. Und bei der Geburtstagsfeier werden sicherlich alle Besucher auf ihre Kosten kommen.

9000 Arbeitsstunden

Der Flugplatz wurde am 31. Mai 1959 offiziell eingeweiht. Zuvor hatten die Mitglieder der Luftsportvereinigung drei Jahre lang in 9000 Arbeitsstunden stolze 5000 Kubikmeter Erde bewegt, um die Start- und Landebahn mit einer Länge von 650 Metern zu bauen. Die Gebäude (Unterrichtsräume, Restaurant, Toiletten) haben ebenfalls die Mitglieder gebaut.

Das Gelände wurde von der Luftsportvereinigung Grenzland von der Gemeinde Grefrath und dem damaligen Kreis Kempen-Krefeld gepachtet.

Nun gab’s da aber ein kleines Problem: Der Flugplatz konnte wegen Überflutung bei Regen nicht genutzt werden, was der Verein nicht zum Dauerzustand lassen werden wollte. Die erforderlichen Drainagen unter der Start- und Landebahn konnten die Mitglieder natürlich unmöglich in Eigenleistung erbringen.

Die Bezirksregierung Düsseldorf in ihrer Funktion als Luftaufsicht schlug vor, eine Gesellschaft zu gründen, für die dann auch gleich Zuschüsse in Aussicht gestellt wurden. Am 26. November 1960 wurde sie offiziell gegründet.

Drainagen durchzogen das gesamte Gelände, so dass auch bei feuchtem Wetter der Flugbetrieb gewährleistet blieb. Außerdem errichtete man zwei Flugzeughallen. Am 23. April 1969 wurde aus dem Sonderlandeplatz ein Verkehrslandeplatz, der Flugzeuge bis zu 2000 Kilogramm zulässt.

Angesichts der schlechten Haushaltslage in den 80er Jahren beschloss der Kreis, dem Flugplatz die Zuschüsse von zuletzt 68 000 Mark jährlich zu streichen. Damit war es unmöglich, die Gesellschaft weiterzuführen. 1984 gründeten die beiden Luftsportvereine die Flugplatzgemeinschaft Grenzland und übernahmen den Flugplatz in Eigenregie.

Fluglehrer Bernd Lohberg: „Der Flugplatz Niershorst ist einer der schönsten Sportflugplätze Nordrhein-Westfalens und ein gutes Beispiel dafür, was Sportler zur Erhaltung ihrer Sportstätten auch ohne finanzielle Mittel von außen zu leisten im Stande sind. Wir hoffen, dass der Platz seinen Mitgliedern auch in Zukunft erhalten bleibt.“

Es werden Investoren für Neubauten gesucht

Flugplatz Niershorst: Rückblick und Ausblick

GREFRATH. Seit 45 Jahren besteht der Flugplatz Niershorst, und zwar zunächst in der Trägerschaft des damaligen Kreises Kempen und der Gemeinde Grefrath. Als diese Trägerschaft nicht mehr möglich war, haben der Luftsportverein und die Motorfluggruppe (Segelflieger und Motorflieger) vor 20 Jahren die Luftsportgemeinschaft Grenzland gegründet und den Flugplatz als Sportstätte in eigener Verantwortung übernommen.

RP-Redakteur Heiner Deckers sprach mit Bernd Lohberg, Fluglehrer und Mitglied der Flugplatzgemeinschaft, über den Grefrather Flugplatz Niershorst.

Welche Aufgaben hat die Flugplatzgemeinschaft?

Die Flugplatzgemeinschaft ist die paritätisch besetzte Interessengemeinschaft der beiden Vereine und damit der Halter des Flugplatzes. Wir sind für alle Dinge verantwortlich, von der Zulassung bis zur Sicherheit. Der Turm gehört auch zu unserem Aufgabengebiet, hier handeln wir im Auftrag der Bezirksregierung als Flugaufsicht. Es sind Mitglieder beider Vereine, die das machen, ehrenamtlich natürlich.

Was hat sich in den letzten 20 Jahren geändert?

Nach dem Wegfall sämtlicher öffentlicher Zuschüsse müssen die Mitglieder durch ihre Beiträge und Sonderumlagen alles selber finanzieren. Optisch hat sich in den letzten 20 Jahren am Flugplatz Niershorst eigentlich grundlegend nichts verändert. Die Kapazität haben wir etwas erweitert, einschließlich neuer Tankstelle, und einige Reparaturen haben wir erledigt. Ansonsten aber haben wir den Platz so erhalten, wie wir ihn damals übernommen haben.

Welche konkreten Pläne hat die Luftsportgemeinschaft für die Zukunft?

Wir möchten gern ein bis zwei neue Unterstellhallen für die Flugzeuge bauen. Die Bausubstanz des Restaurants ist in schlechtem Zustand und müsste erneuert werden. Dazu brauchen wir natürlich Investoren, das können wir nicht selber bezahlen. Die Luftsportgemeinschaft hat aber als Voraussetzung dafür schon einmal die entsprechenden Bebauungspläne beantragt.

In der Vergangenheit gab es häufiger Beschwerden in Sachen Fluglärm. Hat sich in dieser Hinsicht etwas zum Positiven verändert?

Alle unsere Flugzeuge sind mit Leisemachern ausgestattet, mit ganz speziellen Schalldämpfern. In letzter Zeit gab es deutlich weniger Beschwerden aus Kreisen der Bevölkerung. Wir sind natürlich auch gewissen Einschränkungen unterworfen. Platzrundenfliegen ist nicht erlaubt werktags zwischen 13 und 14 Uhr, und an Sonn- und Feiertagen ist ab 13 Uhr Betriebsschluß.

Programm des Flugplatzfestes

Das Fest auf dem Flughafen Niershorst findet am 30. und 31. Mai, jeweils 10 bis 19 Uhr, statt. Die beiden Luftsportvereine – die Segler und die Motorflieger – stellen ihren Flugzeugpark und ihre Geräte vor. Sie bieten Selbstkostenmitflüge in Motor-, Ultraleicht- und Segelflugzeugen an, die eine Besichtigung des Niederrheins aus Vogelperspektive ermöglichen und Gelegenheit für tolle Luftaufnahmen bieten.

Außerdem im Programm: Kunstflug mit Segelflugzeugen. Kunstflug eines amerikanischen Militärflugzeugs T 6. Präsentation von Oldtimer-Segel- und -Motorflugzeugen. Die Antonov, der größte einmotorige Doppeldecker der Welt, steht zur Besichtigung und für Rundflüge bereit. Hubschrauberrundflüge.

Vorstellung und Vorführung von Modellflugzeugen der unterschiedlichsten Typen, unter anderem ein Modellflugzeug mit Düsenantrieb, das eine Geschwindigkeit von bis zu 450 Stundenkilometern erreicht. Fallschirmspringen aus zwei bis drei Kilometer Höhe. Tombola mit vielen Preisen. Hüpfburg mit Betreuung. Für das leibliche Wohl ist im Kuchenzelt und am Grill bestens gesorgt.

Kostenlose Parkplätze stehen bei der Firma Johnson-Controls zur Verfügung. Ein Pendelbus verkehrt zwischen Parkplatz und Flugplatz.


Was daraus geworden ist

Zwei Sätze aus dieser Doppelseite sind heute noch der Kern der Sache. Der eine steht in der Überschrift: Was Engagement so alles bewirkt. Der andere ist die Rechnung dahinter – 9000 Arbeitsstunden für 5000 Kubikmeter Erde, bevor überhaupt jemand starten konnte.

Bernd Lohbergs Antwort auf die Frage nach den letzten zwanzig Jahren beschreibt genau das, was ein Verein leisten muss, damit nichts passiert: den Platz so erhalten, wie man ihn übernommen hat. Das klingt bescheiden und ist die eigentliche Arbeit.

Seine Hoffnung von 2004 hat sich erfüllt. Die Flugplatzgemeinschaft trägt den Platz bis heute, und aus dem Doppeljubiläum ist längst ein anderes geworden: Was 2004 45 und 20 Jahre alt war, ist heute über 65 und über 40.

Fünf Jahre nach diesem Bericht hat Bernd Lohberg die Vorgeschichte aufgeschrieben. Aus ihr wissen wir heute, wo alles anfing – auf einem Ginsterhang bei Brüggen-Oebel, dreißig Jahre vor dem ersten Start in Grefrath.

Aus den Vereinen von damals ist der LSV Grenzland e. V. geworden, und auf dem Niershorst wird bis heute geflogen. Wer selbst einmal starten möchte, kann bei uns Fliegen lernen – meldet Euch einfach bei uns am Platz.

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