Fluglager 2026 in Bartholomä: Zwei Wochen, vier A-Prüfungen und über 14.000 Streckenkilometer
Jedes Jahr packt unsere Jugendgruppe die Flugzeuganhänger und zieht für zwei Wochen auf einen fremden Flugplatz. Nach Pirna im letzten Jahr führte das Fluglager 2026 auf die Schwäbische Alb: zum Segelfluggelände Bartholomä (EDPU). Was die 26 Teilnehmer dort in den ersten beiden NRW-Sommerferienwochen erlebt und erreicht haben, liest sich wie ein kleines Fliegermärchen – war aber harte, schweißtreibende und wunderschöne Realität.

Ein Lager mit Plan
Das Fluglager der Jugendgruppe hat beim LSV Grenzland Tradition: zwei Wochen intensiver Schulungsbetrieb, dazu Überlandflugtraining – abgestimmt mit unserer Ausbildungsleitung und auf einem Platz, der vorher sorgfältig auf gute Schulungsbedingungen geprüft wurde. In diesem Jahr waren wir 26 Teilnehmer, davon 19 Jugendliche unserer Jugendgruppe, mit 11 Flugschülern und 5 Fluglehrern.
Untergebracht waren wir auf dem Campingplatz direkt neben dem Flugplatz – der Weg zum Flugbetrieb: ein kurzer Fußmarsch. Vom gastgebenden Verein FG Heubach hatten wir das Vereinsheim gemietet und durften auch die Winde nutzen. Unter der Woche hatten wir den Platz, auf dem auch die Akaflieg Stuttgart fliegt, ganz für uns. An den Wochenenden lief der Betrieb gemeinsam mit den ansässigen Vereinen – teilweise mit zwei Doppeltrommelwinden nebeneinander und damit vier Seilen im Einsatz.
Für die Flotte galt: Wer viel schulen will, braucht viele Flugzeuge. Sechs Vereinsmaschinen kamen mit – die beiden Doppelsitzer ASK 21 (unser Standardschulflugzeug für die Anfänger) und DG 1000S (Schulung und viel Überlandflug), dazu Club Astir, Discus , LS 7 und unser Holz-Oldtimer Ka 8, der bei dem warmen Wetter mit offener Haube geflogen wurde und riesigen Spaß machte. In der zweiten Woche stieß sogar noch unser Motorsegler dazu – doch dazu später mehr.
Fluglager 2026: Wetter? Bombastisch.
Es gab in zwei Wochen nicht einen einzigen Tag, der nicht fliegbar war. Die Thermik trug teilweise über Flugfläche 100 – dort darf nur mit Sonderfreigabe der Flugsicherung weitergestiegen werden, und teilweise bekamen wir Freigaben bis FL 120. Unser Wetterexperte Frank lieferte jeden Morgen nach dem gemeinsamen Frühstück im Briefing die Wetterlage und die Antwort auf die wichtigste Frage des Tages: Was geht heute auf der Strecke?
Die Antwort war meistens: viel. Am Ende des Lagers standen über 14.000 dokumentierte Streckenkilometer im Segelflug zu Buche. Frank allein flog mit seinem Ventus in rund 40 Stunden etwa 3.000 km – sein bewegendster Moment: der Versuch, über den Forggensee bei Füssen in die Alpen einzusteigen. Auch Christian war mit seinem eigenen Segelflugzeug viel auf Strecke, Lennard nutzte LS 7 und DG 1000 fleißig, und Peter, der uns als Fluglehrer mit eigenem Flieger unterstützte, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen.
Vier erste Alleinflüge – der Nachwuchs hebt ab
Das Herzstück des Lagers war die Schulung – und die Bilanz kann sich sehen lassen: Vier A-Prüfungen wurden geflogen, also vier erste Alleinflüge!
- Theo (14) machte den Anfang und legte als Erster im Lager seine A-Prüfung ab – danach folgten viele weitere Alleinflüge.
- Lia (17) kam ohne Alleinflug nach Bartholomä und flog dort ihre A-Prüfung, gefolgt von etlichen Alleinflügen.
- Fynn (16) schaffte seine A-Prüfung ebenfalls im Lager.
- Malik (15) lieferte die Besonderheit des Lagers: Er macht eine Kombi-Ausbildung aus Segelflug und Motorsegler – und absolvierte am Abreisetag unter Aufsicht drei wunderschöne erste Alleinflüge auf dem Motorsegler. Mit 15 Jahren allein einen Motorsegler fliegen: Chapeau!
Auch die Anfänger ohne Prüfung machten große Sprünge: Leopold schulte tüchtig und schaffte an einem Tag sogar acht Starts, und Mara arbeitete sich mit vielen Platzrunden Richtung A-Prüfung vor – die sie nun hoffentlich bald zu Hause in Grefrath nachholt.
Die Fortgeschrittenen: Prüfungen im Akkord
Für unsere fortgeschrittenen Flugschüler hieß es nach den obligatorischen Überprüfungsstarts am fremden Platz: weiter Richtung Prüfungsreife. Und wie!
- Josia (16) legte die C-Prüfung ab, absolvierte die meteorologische Überlandflugeinweisung, schulte auf Ka 8 und Discus um – und blieb viereinhalb Stunden im Alleinflug oben.
- Felix (16) legte B- und C-Prüfung ab, wurde auf Astir und Ka 8 eingewiesen, flog die meteorologische Überlandflugeinweisung und hat parallel bereits mit der Motorsegler-Ausbildung begonnen.
- Paul (17) legte B- und C-Prüfung ab, schloss damit den zweiten Ausbildungsabschnitt ab und startet nun in den dritten.
- Raze (26) legte B- und C-Prüfung ab, flog mit Fluglehrer Michi eine 252-km-Überlandflugeinweisung – seinen bisher längsten Überlandflug – und war fast drei Stunden allein mit der Ka 8 unterwegs.
- Nil (18) war ebenfalls wieder in der Luft, auch allein auf der ASK 21.
Für Josia, Felix, Paul und Raze gilt jetzt: Theorie pauken! Die theoretischen Prüfungen bei der Behörde stehen an, und mit etwas Fleiß halten einige von ihnen noch in diesem Jahr den Luftfahrerschein in den Händen. Schon im Lager wurde übrigens kräftig gelernt – mehrere vereinsinterne Theorieprüfungen für A, B und C wurden dort abgenommen.
Auch die „Scheinis“ kamen auf ihre Kosten
Rabea, die beruflich einen Airbus A220 steuert, im Segelflug aber noch wenig Streckenerfahrung hat, machte ihren ersten Überlandflug nach Scheinerhalt – und holte sich im Astir gleich die Silber-C: 5:05 Stunden, 1.572 m Höhengewinn, 122 km Entfernung vom Platz, insgesamt 285 km. Als Mentor stand ihr Frank zur Seite.
Lars (16), unser jüngster Scheinpilot mit SPL und TMG-Berechtigung, flog seinen bisher größten Streckenflug – und legte dann noch eine besondere Logistik-Nummer hin: Mitten im Lager fuhr er mit dem Zug nach Grefrath und holte unseren Motorsegler nach der Stundenkontrolle im Flug nach Bartholomä nach. Der TMG wurde dort sofort fleißig eingesetzt – für Außenlandeübungen und für Maliks Vorbereitung auf die A-Prüfung. Zum Abschluss flog Lars noch an den Bodensee und trat den Heimweg über Heubach und Bad Dürkheim durch die Luft an.
Robin, unser Kunstflieger und angehender Fluglehrer, drehte bei der guten Thermik einige schöne Kunstflüge auf der DG 1000 mit den Teilnehmern – sein Highlight: vier Kunstflugprogramme in einem einzigen Windenstart-Flug. Leider stoppte ihn nach vier Tagen eine Sommergrippe. Gute Besserung nachträglich!
Auch der Vorstand ließ sich das Lager nicht entgehen: Unsere 1. Vorsitzende Steffi – zum ersten Mal überhaupt bei einem Fluglager dabei – bewegte neben der ASK 21 auch Ka 8 und Discus. Und Cara war in der ersten Woche dabei, flog einige Stunden auf dem Astir und stieg auch einmal gemeinsam mit Lennard in die DG 1000.
Außenlandungen? Gehören dazu!
Dass man nicht immer die Strecke schafft, die man sich vorgenommen hat, gehört zum Segelfliegen dazu – und lieferte gleich zwei Geschichten fürs Lagerfeuer. Unser Geschäftsführer Lennard wollte mit der LS 7 die 800 km voll machen und verlängerte dafür kurzerhand einen Schenkel. Doch dann schob sich eine Abschirmung vor die Sonne, die Thermik brach zusammen – Außenlandung auf dem Flugplatz Eichstätt. Im Logger standen trotzdem beeindruckende 720 km – sein bisher längster Flug! Die Rückholtour dauerte mit Abendessen rund sechs Stunden. Auch das gehört dazu – und gemeinsam wird selbst das Rückholen zum Erlebnis.
Auch Fluglehrer Michi erwischte es: Ausgerechnet an dem Abend, an dem die Truppe zum gemeinsamen Essen nach Schwäbisch Gmünd fuhr, landete er außen – auf dem Flugplatz Nördlingen. Das Abendessen hat er verpasst, eine gute Geschichte hatte er trotzdem. So ist das eben im Streckenflug: Manchmal entscheidet das Wetter mit.

Feierabend nach 720 km – die LS 7 im Abendlicht von Eichstätt.
Die Fluglehrer: Schulen im Dauereinsatz
Fünf Fluglehrer teilten sich die Arbeit – und die war beachtlich: Klaus absolvierte fast 70 Schulstarts mit rund 20 Flugstunden, überwiegend Platzrunden mit den Anfängern (inklusive der berühmt-berüchtigten Seilrissübungen in allen Höhen – wobei es entgegen aller Gerüchte auch Starts ohne Seilriss gab!). Michi kam auf rund 40 Starts und 20 Stunden, flog viele Überlandflugeinweisungen von jeweils mindestens 100 km auf der DG 1000 und fand daneben noch Zeit für eigene Streckenflüge. Nils, unser jüngster Fluglehrer, der in diesem Jahr zusätzlich die Motorseglerlehrberechtigung erworben hat, schulte in rund 50 Starts und 11 Stunden auf Segelflugzeug und Motorsegler. Peter, eigentlich nur noch passives Mitglied, wurde extra für das Lager in unsere Ausbildungsgenehmigung aufgenommen und verstärkte das Team tatkräftig. Und unser Ausbildungsleiter Felix schaffte an seinem einzigen freien Tag gleich 15 Schulstarts.

Organisation: ein Lob, das man nicht alle Tage bekommt
Hinter einem solchen Lager steckt enorme Organisationsarbeit – und die lag in den Händen unseres Jugendgruppenleiters Tristan, unterstützt von seinem Stellvertreter Jens, der im nächsten Jahr die Planung übernimmt. Feste Einteilungen für Brötchendienst, Küchendienst, Einkaufen und Kochen, saubere Listen und Abrechnungen, jeden Abend ein anderes leckeres gemeinsames Essen (an Vegetarier und Veganer wurde selbstverständlich gedacht), morgens Briefing, abends Debriefing: Sind alle Batterien geladen? Flugzeuge geputzt? Was lief heute gut?
Das schönste Kompliment kam nach der Abreise vom gastgebenden Verein aus Heubach: So ordentlich und organisiert habe man ein Fluglager mit so vielen Jugendlichen auf ihrem Platz noch nicht erlebt. Besser kann man Tristans Arbeit nicht zusammenfassen – danke!
Dass die Kameradschaft auch über den eigenen Verein hinaus funktioniert, zeigte sich, als das Kupplungsseil unserer ASK 21 riss: Mit Unterstützung der Heubacher Werkstatt war die Maschine in gemeinsamer Kraftanstrengung schon am nächsten Morgen repariert – der Schulbetrieb lief fast ohne Unterbrechung weiter. Auch der schleichende Plattfuß am TMG war schnell behoben: neuer Schlauch aus Aalen, eingezogen, weiter ging’s.
Und wenn die Hitze mal zu groß wurde, klinkte sich abwechselnd der eine oder die andere aus: Stadtbummel in Stuttgart, ein Nachmittag in der Therme oder das gemeinsame Abendessen in Schwäbisch Gmünd sorgten für Abkühlung und noch mehr Gemeinschaft.

Stimmen aus dem Lager
„Es war ein exzellentes Fluglager. Schöner Flugplatz, sauberer Campingplatz, super Essen jeden Tag, schöne Flüge. Das Wichtigste: super Zusammenhalt der gesamten Gruppe!“
– Peter, Fluglehrer
„Die Gruppe war einfach toll, und ich habe mich über jeden einzelnen Fortschritt total gefreut.“
– Steffi, 1. Vorsitzende
„Toll, dass so viele Schüler so große Fortschritte machen konnten.“
– Cara
Fazit
Zwei Wochen, kein einziger unfliegbarer Tag, vier erste Alleinflüge, ein ganzer Schwung B- und C-Prüfungen, eine Silber-C, Umschulungen, Kunstflug, über 14.000 Streckenkilometer – und vor allem: eine Truppe, in der jeder mit anpackte, keiner ausgegrenzt wurde und die Stimmung vom ersten bis zum letzten Tag großartig war. Bartholomä, es war uns ein Fest. Und die Planung für das nächste Lager läuft schon.
Lust bekommen? Komm zu uns!
Du hast beim Lesen Fernweh nach oben bekommen? Dann komm vorbei! Beim LSV Grenzland kannst du schon mit 14 Jahren mit der Segelflugausbildung beginnen – und wie Theo beweist, mit 14 auch schon allein fliegen.
Segelfliegen ist mehr als ein Hobby: Es ist Teamsport an der frischen Luft. Niemand kommt allein in die Luft – Flugzeuge ausräumen, Seile ausziehen, Flächen halten, zurückschieben: Jeder packt mit an, und genau das schweißt zusammen. Dazu kommen echter Wettbewerbssport im Streckenflug, Technik zum Anfassen, Verantwortung, die dich wachsen lässt – und Freundschaften fürs Leben. Kurz: raus aus dem Kinderzimmer, weg vom Bildschirm, rein in die Natur und ab in die Thermik!
Neugierig? Komm einfach an einem Flugbetriebstag bei uns am Platz vorbei oder melde dich über unsere Kontaktseite – ein Schnupperflug sagt mehr als tausend Worte. Wir freuen uns auf dich!
