Luftsportgelände vor der Haustür

Der Grefrather Luftsportverein wurde 1956 nicht gegründet, sondern wiedergegründet – es hatte schon vor dem Krieg einen gegeben. 23 Leute traten noch am selben Abend bei. Der Monatsbeitrag: drei Mark, für Jugendliche fünfzig Pfennig. Und wer nicht zahlen konnte, arbeitete ihn im Flugzeugbau ab.

Rheinische Post

Zeitungsausschnitt: Luftsportgelände vor der Haustür
Rheinische Post vom 3. November 1956: „Luftsportgelände vor der Haustür – Grefrather Luftsportverein wieder gegründet“.

Luftsportgelände vor der Haustür

Grefrather Luftsportverein wieder gegründet – Alte Tradition als Ansporn

GREFRATH. Auf der Gründungsversammlung des Luftsportvereins im Bürgerhof Schumeckers am Mittwochabend bezeichnete der Versammlungsleiter, Lehrer Georg Pauls, die Gründung als eine Wiedergeburt des Vereins, der sich vor dem Kriege in Grefrath mit dem Luftsport befaßte. Der damalige Verein galt als einer der besten des Kreises. Die Idee zur Gründung des früheren Vereins sei praktisch „durch die Luft“ gekommen, als das Kriegerdenkmal eingeweiht und ein Kranz abgeworfen wurde. Drei Grefrather Bürger haben damals an dem Flug teilgenommen. Diese waren von dem Flug so begeistert, daß sofort der Beschluß feststand, auch in Grefrath für den Flugsport etwas zu tun.

Lehrer Georg Pauls als früherer Vorsitzender schilderte dann, wie sich der Verein entwickelte. Es waren damals sehr große Schwierigkeiten zu überbrücken, obschon von der Plüschweberei, die auch einen Werkraum in der Abteilung II zur Verfügung stellte, großzügige Unterstützung gewährt wurde. Mit einer alten Winde und einem Hanfseil wurde der erste Flug unternommen. Das selbstgebastelte Flugzeug ging jedoch hierbei sofort zu Bruch. Pauls erinnerte an die große Luftsportausstellung und an den Luftsporttag im Niersbruch. Er hoffte, daß auch im neuen Verein der gleiche Eifer aufkomme wie im alten Verein. Wer sich einmal mit dem Luftsport befaßt hat, selbst wenn es nur die Beteiligung am Modellbau ist, würde sich immer wieder für die Sache begeistern lassen. Der erzieherische Wert des Modellbauens könne nicht hoch genug bewertet werden (Millimeterarbeit).

Auch Fluglehrer Holzappels, der als Vertreter des Kreisverbandes anwesend war, wies auf die Nützlichkeit des Luftsportes hin. Vor allem würde die Jugend aus dem Straßenbetrieb herausgezogen. Er gab einen Ueberblick über den Aufbau des Verbandes. Die einzelnen Vereine sind zusammengefaßt in der Luftsportvereinigung Grenzland, führen jedoch ihr Eigenleben. Ein Zusammenschluß im Kreis sei aber notwendig, weil der einzelne Verein die Unkosten für einen Flugbetrieb nicht tragen kann. Nach der Vorführung von zwei Filmen „Vom Papiermodell zum Segelflug“ und „Segelflieger auf der Wasserkuppe“ gab Fluglehrer Holtappels noch Auskunft über die Ausbildung im Segelfliegen und schilderte die Aufbauarbeit nach dem Kriege. Mit einem von den holländischen Kameraden in Venlo geschenkten uralten Segelflugzeug und einer selbstgebauten Winde fing man an. Die Luftsportvereinigung habe heute schon wieder mehrere Maschinensegler und ein Motorflugzeug. Schwierigkeiten bestehen allerdings noch mit dem Fluggelände. Zur Zeit werden die Uebungen und Flüge noch auf dem Venloer Platz durchgeführt. In Kürze würde diese Frage aber schon gelöst sein. Gerade Grefrath liegt nach den Ausführungen des Vortragenden an der günstigsten Stelle des Kreises. In Kürze würde sozusagen vor der Haustüre der Grefrather geflogen werden. Der neue Verein würde deshalb in Grefrath auch wohl schnell zum stärksten des Kreises werden, meinte Holzappels. Er gab bekannt, daß der Monatsbeitrag 3,– DM, für Jugendliche 0,50 DM beträgt.

Eine möglichst starke Jugendgruppe sei notwendig, da sonst die Aufbauarbeit zwecklos sei. Der Monatsbeitrag kann auch durch Mithilfe beim Bau von Flugzeugteilen erarbeitet werden. Von den Versammlungsteilnehmern erklärten 23 sofort ihren Beitritt zum neuen Verein. Josef Neuhoven wurde zum Vorsitzenden gewählt. Dieser gab bekannt, daß man sofort einen geeigneten Raum finden müsse, um schon in diesem Winter mit dem Modellbau beginnen zu können. Neuhoven erwähnte, daß demnächst im Grefrather Niershorst das Luftsportgelände für die Kreisvereine erstehen wird, wo auch Werkräume eingerichtet werden.

Am 12. November findet im Lokal Schumeckers, Hochstraße, um 20 Uhr, eine weitere Versammlung statt, auf der dann der weitere Vorstand gebildet wird.


Was daraus geworden ist

„In Kürze würde sozusagen vor der Haustüre der Grefrather geflogen werden“ – das hat gestimmt, es dauerte nur noch ein halbes Jahr. Im Mai 1957 stieg der erste Flugtag in Niershorst. Bis dahin flog man auf dem Venloer Platz; die holländischen Kameraden hatten dem Verein sogar ein Segelflugzeug geschenkt. Diese Freundschaft über die Grenze ist älter als unser eigener Flugplatz. Und der Satz vom Beitrag, den man auch abarbeiten kann, beschreibt genau, was einen Verein von einem Dienstleister unterscheidet.

Aus den Vereinen von damals ist der LSV Grenzland e. V. geworden, und auf dem Niershorst wird bis heute geflogen. Wer selbst einmal starten möchte, kann bei uns Fliegen lernen – meldet Euch einfach bei uns am Platz.

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