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Teamwork ist alles

Segelfliegen ist Vereinssport. Nur wenn alle zusammen arbeiten, kommen wir in die Luft. Nicht zuletzt dadurch ist Segelfliegen auch für den normalen Geldbeutel ein erschwingliches Freizeitvergnügen. Doch wofür wird die Zusammenarbeit gebraucht? Im Grunde liegt es daran, dass Segelflugzeuge keinen Motor haben. Nein, sie haben wirklich keinen, auch wenn wir oft danach gefragt werden. Es gibt zwar auch Segelflugzeuge mit ausklappbarem Hilfsmotor, aber in unserem Verein haben wir keinen. Nur reine Segler – die sind kostengünstiger.

 

ASW 19 startklar

Wann wird geflogen? (Segelflug-Betriebszeiten)

In der Regel findet in Grefrath der Segelflugbetrieb samstags von 14-18 Uhr statt, sonntags und feiertags von 10-18 Uhr. Zu diesen Zeiten ist auch jeweils mindestens ein ehrenamtlicher Fluglehrer eingeplant (meist sogar zwei), welcher im doppelsitzigen Schulflugzeug mit den Flugschülern fliegt, oder welcher allein fliegende Schüler mit dem Funkgerät beaufsichtigt. Wenn das Wetter besonders schön ist, fliegen wir nach Absprache auch zu anderen Zeiten. In Absprache mit Schlepppilot und Flugleitung kann in der Woche fast immer geflogen werden, allerdings ist dann nur die Startart „Flugzeugschlepp“ möglich.

Alles gecheckt? (Vorflugkontrolle und Startcheck)

Wie sicher sind Segelflugzeuge? Grundsätzlich gehören Flugzeuge zu den am besten gewarteten Maschinen, die es überhaupt gibt. Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles durch technisches Versagen ist extrem gering. Dass das so ist, dazu tragen alle Piloten selber bei. Segelflugzeuge sind so konstruiert, dass sie in kurzer Zeit auseinander oder wieder zusammen gebaut werden können. Zum Beispiel um sie nach einer unvorhergesehenen Außenlandung in einem Anhänger zurück zum Flugplatz zu transportieren. Vor jedem ersten Flug des Tages muss jedes Flugzeuges eine ausführliche Vorflugkontrolle über sich ergehen lassen. Dabei wird überprüft, ob alle Teile, die auseinander gebaut werden können, richtig zusammengebaut und gesichert sind. Unabhängig davon, ob das Flugzeug nach dem letzten Flug tatsächlich auseinandergebaut wurde oder nicht. Außerdem werden die tragenden und beweglichen Teile anhand eines bestimmten Prüfplanes auf Befestigung und mögliche Beschädigungen überprüft. Eine Person bedient die Steuerung im Cockpit, eine andere prüft die Kraftübertragung auf die jeweiligen Ruder. Kurz vor dem Start muss jeder Pilot außerdem einen Startcheck durchführen. Darin wird u.a. überprüft, ob die Anschnallgurte angelegt sind, die Ruder in der richtigen Startstellung stehen, und ob die Gewichtsverteilung den Angaben des Flugzeugherstellers entspricht.

Ka 8 am Start

Wie kommt man in die Luft, wenn man keinen eingebauten Motor hat? (Startarten)

Es gibt zwei Möglichkeiten:

 

1. Windenschlepp:

Eine am Boden stehende Seilwinde zieht das Flugzeug hoch. 256 PS sorgen für rasante Beschleunigung und einen eindrucksvollen Startwinkel. Die Länge des Flugplatzes begrenzt jedoch die des Seils, und diese wiederum die maximal mögliche Schlepphöhe. 300-500 Meter Schlepphöhe reichen für ca. 5 Minuten Gleitflug. Am Ende ist entweder Aufwind gefunden, oder es wird sofort wieder gelandet. Mit ca. 4 € für Vereinsmitglieder die kostengünstigste Startmethode, und daher am häufigsten genutzt.

Flugzeugschlepp
2. Flugzeugschlepp:

Ein Motorflugzeug zieht das Segelflugzeug auf die gewünschte Höhe. Unsere Schleppmaschine ist eine Robin DR 400 mit 180 PS. Diese Motorleistung ist ausreichend, um Motor- und Segelflugzeug gleichzeitig in die Luft zu heben. Die Steigleistung ist zwar nicht ganz so imposant wie beim Windenschlepp, doch man kann sich fast unbegrenzt hoch und weit schleppen lassen. Nachteil sind die höheren Betriebskosten des Motorflugzeuges. Doch die Suche nach Aufwind – welcher anschließend einen stundenlangen Flug ohne Motorkraft ermöglicht – ist sehr viel einfacher, wenn man eine größere Ausgangshöhe hat. Wer eine Kunstflugberechtigung hat, kann sich auf die vorgeschriebene Sicherheitshöhe schleppen lassen, um diese anschließend wieder herunter zu turnen. Die Kosten eines Flugzeugschlepps wird anhand der Flugminuten des Motorflugzeuges berechnet und kostet bei einer Schlepphöhe von 600 Metern erfahrungsgemäß ca. 25 € für Vereinsmitglieder.

Twin III an der Winde

Wer sorgt für Bewegung am Boden? (Trecker fahren)

Wie kommt das Segelflugzeug zum Startplatz, wenn es keinen Motor hat? Wie kommt das Windenseil zum Flugzeug, nachdem wir es mit 256 PS auf die Trommel aufgerollt haben? Wie schon erwähnt: es gibt einiges zu tun auf dem Flugplatz. Die einen fliegen – die anderen sorgen dafür, dass die einen fliegen – und anders herum. Man wechselt sich ab. Bis vor 20 Jahren wurden die Segelflugzeuge im Laufschritt zu Fuß geschoben. Bis vor 40 Jahren wurden Segelflugzeuge von Seil- und Haltemannschaften im Laufschritt mit Hilfe eines Gummiseils in die Luft gezogen. Für all das sind wir heute zu bequem und fahren Trecker.

ein Traktor holt die Windenseile zurück

Die Lizenz zum Gas geben (Windenfahrer)

Der Gashebel zum Starten befindet sich nicht im Segelflugzeug, sondern am anderen Ende des Flugplatzes. In den 80er Jahren bastelten Vereinskameraden ein technisches Wunderwerk aus V8 Diesel mit Seilwinde, Hydraulikwandler und Pneumatikkupplung. Dieses setzten sie auf ein LKW-Fahrgestell. Vor einigen Jahren wurde eine Umrüstung von Stahl- auf Kunststoffseile vorgenommen, welche weniger wiegen und leichter zu bedienen sind. Mit Hilfe einer Telefonverbindung zum Start wird die Winde von einem speziell ausgebildeten Windenfahrer bedient. Voraussetzung für die Ausbildung zum Windenfahrer ist im Wesentlichen genügend Flugerfahrung als lizensierter Segelflieger, oder zumindest als Flugschüler mit einer Menge Alleinflug-Erfahrung.

 

 

Winde

Alles im Griff (Startleiter)

Der Windenfahrer kann aus der Entfernung kaum erkennen, was an der Startstelle vorgeht, denn die befindet sich am anderen Ende des Flugplatzes. Dem Flugleiter auf dem Turm geht es nicht viel anders. Deshalb werden alle Segel-Flugbewegungen von einem Startleiter an der Startstelle koordiniert, welcher in telefonischem Kontakt mit dem Windenfahrer steht, und gleichzeitig in Funkkontakt mit allen anderen Verkehrsteilnehmern des Flugplatzes. Der Startleiter ist ein aktiver Segelflieger mit Pilotenlizenz – in der Regel derjenige Anwesende mit der meisten Erfahrung. Am meisten allenfalls mit Ausnahme des Fluglehrers, denn der hat anderes zu tun und kann sich nicht um alles kümmern. Die meiste Zeit sitzt er sowieso im Flugzeug mit seinen Schülern.

Startaufstellung

Ein alter Hase für unseren "Kindergarten" (Fluglehrer)


Wie und wo kann man „einen Flugschein machen“? Im Verein kann man die Pilotenlizenz für Segelflugzeugführer „nebenbei“ erwerben und braucht keine teure Flugschule zu besuchen. Fast immer, wenn Flugbetrieb ist, ist auch Schulungsbetrieb. Geübte Piloten können sich zu Fluglehrern fortbilden lassen und anschließend ihre Mitarbeit am Vereinsbetrieb durch ihren Unterricht leisten. Bis zur A-Prüfung fliegen Flugschüler im doppelsitzigen Segelflugzeug. Der hinter dem Schüler sitzende Fluglehrer korrigiert durch verbale Anweisungen und kann bei groben Fehlern tatkräftig eingreifen. Nach der A-Prüfung, die aus drei Alleinflügen im doppelsitzigen Flugzeug besteht (der hintere Platz bleibt dann leer), müssen Flugschüler noch eine Reihe von Übungsflügen im Alleinflug bewältigen, einschließlich mehrerer praktischer Prüfungen. Hin und wieder fliegen sie gemeinsam mit einem Fluglehrer im Doppelsitzer, um die Prüfungsaufgaben vorzubereiten oder den Flugstil insgesamt zu verbessern. Nach der theoretischen Prüfung, jedoch vor der praktischen Prüfung zum Luftfahrerschein, müssen Schüler einen Überlandflug von mindestens 50 km bewältigen. Der Fluglehrer überwacht die Flugvorbereitung und erteilt einen schriftlichen Flugauftrag. Der Schüler weist damit nach, dass er sicher fliegen, navigieren und unabhängig von der Erfüllung der Streckenflug-Aufgabe immer einen sicheren Landeplatz erreichen kann.

ASK 21 mit Flugschüler landet

Wer soll das bezahlen? (Startschreiber)

Für die Aktenführung, die Berechnung der individuellen Flugerfahrung und natürlich die persönliche Fluggebührenabrechnung werden alle Start- und Landezeiten aufgeschrieben. Wer gerade im Flugzeug sitzt, kann das am schlechtesten. Wer am Tisch sitzt, mit Liste und Stift bewaffnet ist, kann es am besten. In früheren Zeiten wurde diese Aufgabe meist den Flugschülerinnen übertragen, da sie eine schönere Handschrift besaßen und sich nicht gerne die Finger beschmutzten. Heute herrscht Gleichberechtigung. Meistens jedenfalls.


Immer schön ordentlich vor dem Segelflugzeug herfliegen... (Schlepppilot)

Ein Motorfliegzeug ist eine komplexe Maschine. Nicht einfach zu bedienen, wenn man ein Segelflugzeug abschleppt – besonders dann, wenn unerfahrene Schüler in die Startart „Flugzeugschlepp“ eingewiesen werden. Mit wenig Bewegungsspielraum am anderen Ende des Seiles sauber hinter dem Motorflugzeug herzufliegen, ist auch für den Segelflieger nicht einfach. Diese Startvariante erfordert von beiden Piloten eine sichere Beherrschung der Fluggeräte. Schlepppilot sein heißt Schwerstarbeit. Schlepppilot sein ist andererseits eine willkommene Gelegenheit, selber kostenfrei Motorflug zu betreiben – wenn auch immer nur rauf und runter. Nach dem Ausklinken soll das Schleppflugzeug so bald wie möglich wieder am Boden zur Verfügung stehen. Zeit ist Geld!

Schleppflugzeug landet

Feierabend! (Halle einräumen)

„Welche Flugzeuge müssen denn in diese Halle gerollt werden?“, fragte ein Fluggast eines Abends. „Alle!“, lautete die Antwort. Man glaubt kaum, wie viele Flugzeuge in eine Halle passen – sauber ineinander verschachtelt. Hallenplatz kostet Geld, viel Geld, und das haben wir nicht. Also müssen alle Flugzeuge in eine Halle. Die Halle wiederum gehört uns nur zur Hälfte. Alles Handarbeit. Es besteht das ungeschriebene Gesetz, dass jeder Segelflieger mindestens einmal am Tag die Hallentore anfassen sollte, wenn er am Flugbetrieb teilnehmen möchte: morgens, wenn die Flugzeuge ausgeräumt werden – oder abends, wenn sie eingeräumt werden. Fasst man sie zweimal täglich an – und nimmt einen ganzen Tag am Vereinsbetrieb teil – umso besser. Alles neu macht der Mai (Werkstattarbeit im Winter) Was tun Segelflieger im Winter, wenn es zu kalt ist, um den ganzen Tag auf dem Flugplatz herumzustehen? Und wenn es keine Aufwinde gibt? Für die braucht man nämlich Sonnenschein, und der ist im Winter nicht energiereich genug, um Thermik entstehen zu lassen. Es gibt eine Reihe von Wartungsarbeiten, die an jedem Luftfahrzeug regelmäßig durchgeführt werden müssen. Wann immer möglich, werden diese Wartungsarbeiten im Winter wahrgenommen, da wir in dieser Zeit sowieso nicht fliegen möchten. Jedes Flugzeug wird auf Hochglanz gebracht: das sieht nicht nur gut aus, sondern es vermindert den Luftwiderstand und erhöht die Flugleistung. Fast jeder Segelflugverein hat eine eigene Vereinswerkstatt. Da Wartungen an Flugzeugen grundsätzlich nur von luftfahrttechnischen Betrieben durchgeführt werden dürfen, handelt es sich rechtlich gesehen um Betriebsstätten eines dezentral organisierten luftfahrttechnischen Betriebes, in diesem Fall der unseres Dachverbandes (DAeC Landesverband NRW). Für anspruchsvolle Wartungsarbeiten beauftragen wir eine gewerbliche Flugzeugwerft am Flugplatz. Winterarbeit findet in unserer Vereinswerkstatt von November bis April jeden Samstagnachmittag statt. Jeder aktive Flieger sollte sich ab und an dabei blicken lassen, und die Arbeit nicht nur den anderen überlassen. Wenn alle mit anpacken, sind bis zum nächsten Frühjahr alle Maschinen repariert, alle Zahlen gerechnet und alle Oberflächen poliert.

Segelflughalle

Alles vorbereitet für Plan B (Fallschirmpacker)

Ist Fliegen gefährlich? Und was ist, wenn wir abstürzen? Selbst dann ist ein Happy End möglich. Wie in Deutschland allgemein üblich, für Flugschüler und Kunstflieger vorgeschrieben, tragen Segelflieger einen Rettungsfallschirm. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme und Sicherheit, welche die meisten anderen Flugzeuge nicht haben. Insbesondere beim thermischen Segelflug bestehen sehr viel geringere Flugabstände zwischen zwei oder mehr Flugzeugen, als das in der gewerblichen Fliegerei zulässig wäre. Geflogen wird auf Sicht. Die Gefahr von Zusammenstößen ist zwar relativ gering, konnte durch eine elektronische Kollisionswarnung weiter verringert werden, ist jedoch im Laufe der Jahrzehnte nicht völlig ausgeschlossen. Seit Bestehen des Flugplatzes musste noch kein Grefrather Segelflieger mit dem Fallschirm aussteigen. Wir sind trotzdem jederzeit auf diese Möglichkeit vorbereitet und haben für jeden Flugzeug-Sitzplatz einen passenden Rettungsfallschirm. 2 speziell ausgebildete Fallschirmwarte für Rettungssysteme achten auf die vorgeschriebenen Packintervalle und die jährliche Nachprüfung bei einem der Hersteller. Je nach Bauart müssen die Fallschirme alle 4-12 Monate geöffnet, kontrolliert und wieder neu eingepackt werden. Jeder unserer Fallschirme wird sich im Notfall öffnen, wenn er gebraucht wird. Dafür garantieren wir.

Fallschirmspringer_

Genug gearbeitet! (Jetzt machen wir erst mal Pause)

Pommes gibt es im Flugplatz-Restaurant auch To- Go.

 

 

Die alten Heldentaten aufleben lassen (Pensionärsspaziergang)

Wem all das zu anstrengend geworden ist, und wer sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen möchte, braucht auf die Gesellschaft seiner Fliegerkameraden nicht zu verzichten. Jeden Donnerstag treffen sich junggebliebene Segelflieger gemeinsam mit Clubkameraden, um ihrem Pensonärsspaziergang zu frönen. Ob Regenschirm oder Rollator – “you never walk alone".

Essenspause


 
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